Mahdia

Le Borj el-Kebir, forteresse ottomane de Mahdia
Mahdia sitzt auf einer schmalen Halbinsel, die ins Meer hinausläuft, und hat den ruhigsten Ton der ganzen tunesischen Ostküste. Eine kleine Medina (Altstadt) ohne Verkaufsdruck, ein Fischerhafen, ein Friedhof über den Klippen – und ein langer heller Strand ein paar Kilometer weiter. Wer Sousse zu laut findet, ist hier richtig.

Mahdia ist eine Stadt, die aus einem einzigen strategischen Gedanken entstanden ist. 916 wählte Obeid Allah al-Mahdi, der erste Kalif der Fatimiden, diese Landzunge als Hauptstadt – nicht wegen der Aussicht, sondern weil sie sich mit einer einzigen Mauer verschließen ließ. Vorn das Meer auf drei Seiten, hinten ein Riegel aus Stein: eine Festung, die zufällig eine Stadt war.

Die Fatimiden blieben nur wenige Jahrzehnte, bevor sie weiterzogen und in Ägypten Kairo gründeten. Aber die Anlage aus dieser Zeit prägt Mahdia bis heute: die Große Moschee, die im Grundriss auf das 10. Jahrhundert zurückgeht, der Torbau Skifa el-Kahla, und die Idee einer Stadt, die man durch ein einziges Nadelöhr betritt.

Danach wechselten die Herren. 1057 kamen die Ziriden, im 12. Jahrhundert für einige Jahre die Normannen aus Sizilien, dann die Almohaden und die Hafsiden. 1550 nahmen die Spanier die Stadt und sprengten beim Abzug 1554 einen Großteil der Befestigung – deshalb steht heute vom fatimidischen Mauerring so wenig. Die Osmanen bauten anschließend den Borj el-Kebir aus.

Was der Stadt Wohlstand brachte, war nicht die Macht, sondern der Faden. Mahdia lebte jahrhundertelang von der Seidenweberei und vom Fischfang, vor allem vom Sardinenfang. Beides gibt es bis heute: Der Hafen ist einer der wichtigsten Fischereihäfen des Landes, und in der Altstadt wird noch gewebt.

Der Tourismus kam spät und blieb am Rand. Ab den 1990er-Jahren entstand einige Kilometer nordwestlich eine Hotelzone am Strand von Chebba-Richtung. Die Halbinsel selbst blieb dabei weitgehend verschont – eine der glücklicheren Entscheidungen der tunesischen Raumplanung.

Skifa el-Kahla, das dunkle Tor, ist der Eingang zur Altstadt und der letzte Rest der fatimidischen Befestigung: ein Torbau mit einem über vierzig Meter langen, gewölbten Durchgang, in dem es auch mittags kühl und dämmrig bleibt. Dahinter beginnt die Medina (Altstadt), und sie ist klein – eine Hauptgasse, ein paar Querstraßen, nach zwanzig Minuten sind Sie am anderen Ende.

Das ist keine Schwäche, sondern der Reiz. In Mahdia wohnen Leute in der Altstadt, es gibt Bäcker, Schneider und Webstühle, und die Zahl der Souvenirläden ist überschaubar. Der kleine Platz vor der Großen Moschee ist weiß, leer und hell; die Moschee selbst wurde im 20. Jahrhundert nach dem alten Grundriss wieder aufgebaut. Der Innenhof ist zugänglich, der Gebetssaal nicht.

Am äußersten Ende der Halbinsel steht der Borj el-Kebir, eine osmanische Festung aus dem 16. Jahrhundert. Von den Mauern hat man die ganze Küste im Blick. Direkt daneben liegt der Seefriedhof: weiße Stelen bis an die Klippenkante, dahinter nur Wasser. Am späten Nachmittag ist das der schönste Ort der Stadt, und meistens sind Sie dort allein.

Der Fischerhafen arbeitet früh: Boote, Kisten, Netze, viel Betrieb vor acht Uhr. Vom Cap Afrique, der Spitze, sieht man die alten fatimidischen Hafenbecken, die heute kaum mehr als Vertiefungen im Fels sind.

Der Strand beginnt nordwestlich außerhalb der Halbinsel: hell, breit, flach abfallend, mehrere Kilometer lang, mit der Hotelzone dahinter. Für Medina, Borj und Friedhof reicht ein halber Tag; mit Strand bleibt man gern länger.

Mahdia ist leise, und das ist hier kein Zufall, sondern Geografie. Die Halbinsel ist eine Sackgasse: Wer nicht nach Mahdia will, fährt nicht durch Mahdia. Kein Durchgangsverkehr, keine Ausflugsbusse im Minutentakt, keine Animateure. Die Stadt lebt vom Fisch und vom Weben, und der Umgangston ist entsprechend unaufgeregt – man wird gegrüßt, nicht angesprochen.

Gegessen wird, was am Morgen im Hafen ankam, meistens einfach gegrillt. Abends sitzt man auf einem der Plätze, die Kinder spielen bis spät, und die Cafés an der Hafenmole füllen sich mit Männern, die aufs Wasser schauen. Das Licht auf der Halbinsel ist bemerkenswert: Weil Wasser auf drei Seiten liegt, wird es morgens und abends sehr weich.

Und jetzt ehrlich: Mahdia ist klein, und wer Programm braucht, wird sich langweilen. Nach zwei Tagen haben Sie alles gesehen. Es gibt kein Nachtleben, wenig Restaurantauswahl, und außerhalb der Saison macht ein Teil der Häuser zu. Die Hotelzone am Strand ist funktional und optisch belanglos, mehrere Anlagen stammen sichtbar aus den Neunzigern. Zwischen Altstadt und Hotels liegen ein paar Kilometer ohne jeden Charme – Umgehungsstraße, Baustellen, Rohbauten. Und der Fischerhafen riecht nach Fischerhafen, was manche romantisch finden und andere nicht. Mahdia belohnt Leute, die Ruhe suchen. Für alle anderen ist Sousse eine Stunde entfernt.

Anreise — Der nächste Flughafen ist Monastir (rund 45 km, etwa eine Stunde mit dem Taxi), im Sommer von Frankfurt, München, Düsseldorf und Wien angeflogen; ganzjährig zuverlässiger ist Tunis-Karthago, von dort sind es rund 200 km. Am angenehmsten kommt man mit dem Métro du Sahel, der Regionalbahn, die Sousse über Monastir und den Flughafen mit Mahdia verbindet – Endstation ist mitten in der Stadt. Langsam, günstig, und man sieht die Küste. Louages fahren ebenfalls ab Sousse.

Beste Reisezeit — Mai bis Oktober fürs Baden, wobei September und Oktober das beste Verhältnis aus warmem Wasser und leeren Stränden bieten. Juli und August sind heiß und fallen mit den deutschen und österreichischen Sommerferien zusammen; voll wird es hier trotzdem weniger als in Sousse oder Hammamet. Von November bis März ist es mild um 16 bis 18 °C, sehr ruhig, und ein Teil der Hotels schließt.

Vor Ort unterwegs — Die ganze Halbinsel geht zu Fuß, von Skifa el-Kahla bis zum Borj sind es keine zwanzig Minuten. Zur Hotelzone und zum langen Strand nehmen Sie ein Taxi oder den Zug. Ein Mietwagen lohnt sich nur, wenn Sie El Djem, Monastir oder die Kerkennah-Fähre ab Sfax dazunehmen wollen.

Gut zu wissen — Zwei bis drei Nächte sind die richtige Dosis; als Unterkunft gibt es kleine Häuser in der Altstadt und die Anlagen am Strand, zwei sehr verschiedene Aufenthalte. In der Medina wird gewohnt: fragen, bevor Sie Menschen fotografieren. Für den Innenhof der Großen Moschee Schultern und Knie bedeckt. Und wer den Hafen sehen will, wie er wirklich ist, steht früh auf – gegen sieben ist dort mehr los als in der Altstadt den ganzen Tag.